Retter auf vier Pfoten

Meldung

Immer wieder ist von Menschen zu lesen, die sich verirren und den Weg nach Hause nicht mehr finden. Häufig handelt es sich hierbei um alte und/oder an Demenz erkrankte Menschen, die aufgrund starker „Hinlauftendenzen“ ihr Zuhause oder das Seniorenheim verlassen haben.
Die Hinlauftendenz wurde früher auch als Weglauftentendenz bezeichnet. Heute weiß man, dass an Demenz erkrankte Menschen nicht nur einfach „ausbüxen“ wollen, sondern vielmehr einem inneren Drang folgen und sich deshalb auf den Weg machen, weil sie meinen, an einem bestimmten Ort etwas erledigen zu müssen. An Demenz erkrankte Menschen mit Hinlauftendenzen sind – wenn sie ihr Zuhause alleine verlassen haben – einem stärkeren Gefahrenpotential ausgesetzt, da sie nicht selten mit Schwierigkeiten bei der zeitlichen und räumlichen Orientierung zu kämpfen haben oder aber Gefahrenquellen, die z. B. der Straßenverkehr oder die Witterung mit sich bringen, nicht richtig einschätzen können.
Auch wenn Direktorin Petra Schillinger froh darüber ist, dass die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner des Matthias Pullem Hauses durch die Strukturen weitest gehend vor Gefahren schützt und dabei gleichzeitig größtmöglichen Bewegungsspielraum erlaubt, will sie für den Notfall bestens vorbereitet sein. Daher ist sie mit der Rettungshundestaffel Mantrailer West e.V., der seinen Hauptsitz in Erftstadt hat und im Umkreis von 100 km seine ehrenamtliche Tätigkeit anbietet, eine Kooperation eingegangen, nachdem Staffelleiter Gernot Sieger sie in einem persönlichen Gespräch von den Vorteilen einer Zusammenarbeit überzeugen konnte.
Wenn Bewohnerinnen und Bewohner das Matthias Pullem Haus verlassen und den Weg zurück nicht mehr finden würden, könnte es – je nach Wetterlage und/oder Tageszeit – unabdingbar sein, den Bewohner/die Bewohnerin so schnell wie möglich wieder zu finden. Vor der Kooperation hatte die Einrichtung nur zwei Möglichkeiten:

  1. selbst zu suchen
  2. eine Abgangsmeldung bei der Polizei zu machen (dort wird eine Vermisstenanzeige erst nach 24 Stunden angenommen)

In beiden Fällen würden noch die Angehörigen kontaktiert und um deren Mithilfe gebeten sowie die umliegenden Krankenhäuser angerufen werden.
Dank der Kooperation hat die Einrichtung nun noch eine dritte Option: Sie kann – ohne eine Wartezeit einhalten zu müssen – auch die Mantrailer West kontaktieren, die dann mit einem ehrenamtlichen Team (Mensch/Hund) die Suche aufnimmt. „Wir Menschen können nur auf Sicht arbeiten und finden in der Regel nur das was wir sehen oder hören. Wenn jedoch die/der Vermisste keine Geräusche von sich gibt und vor unseren Augen oder Ohren verborgen ist, haben wir kaum Erfolgschancen. Hunde jedoch können über den Geruch die Spur verfolgen und die gesuchte Person auch hinter Türen, in Gräben oder Gebüschen erschnüffeln.“ so Petra Schillinger über den wichtigsten Vorteil ihres neuen Partners. „Außerdem“, und darüber ist sie ebenfalls sehr erleichtert, „ist das zweibeinige Teammitglied für Notfallsituationen und in Erster Hilfe geschult, so dass Hilfe direkt vor Ort geleistet werden kann.“
Im Haus wird die Kooperation von allen Seiten – Mitarbeiter wie Bewohner – gleichermaßen positiv wahrgenommen. Auch in der Bürokratie hat sie bereits ihren Einzug gehalten: So wurde der Notfallstandard „Vermisste Bewohner/in“ angepasst und die Rettungshundestaffel an der passenden Stelle eingefügt. Auch wenn sich niemand im Haus einen Notfall wünscht – das Mantrailierteam steht bei Bedarf und nach Rücksprache mit der Hausrufbereitschaft bereit!

INFOKÄSTCHEN:
Im Gegensatz zu Flächensuchhunden, die generell nach menschlichem Geruch suchen, werden Mantrailer dazu ausgebildet, dem Individualgeruch einer ganz bestimmten Person zu folgen. Sie kommen meist in Wohngebieten und Städten zum Einsatz – überall dort eben, wo sich zahlreiche menschliche Gerüche überlagern.

Mirjana Sarac-Petric
Petra Schillinger