„Tiergestützte Arbeit in Praxis, Bild und Wort“ – so hieß der Titel einer Nachmittagsveranstaltung im Rahmen der 3. Kölner Demenzwochen am Freitag, 29. Oktober 2010 im Matthias-Pullem-Haus in Köln-Sürth.
Petra Schillinger, Leiterin der Einrichtung, konnte um 14 Uhr mehr als 30 Teilnehmer und 10 Hunde begrüßen.
Sie selbst übernahm den Theorie-Teil der Veranstaltung. Welche Bedeutung haben Spiegelneuronen in der tiergestützten Arbeit? Sowohl Mensch als auch Tier haben Spiegelneuronen, das sind Nervenzellen im Großhirn, die ohne Nachdenken Programme im Körper realisieren, so dass beim Beobachten bestimmte Spiegelreaktionen eintreten können. Damit sind Intuition, Empathie, spontanes Verstehen und Vertrauen möglich. Z.B. spiegeln Babys die Mimik der Mutter und lächeln zurück. Oder es läuft uns das Wasser im Munde zusammen, wenn wir Hunger haben und jemanden etwas essen sehen. Und Hunde lernen am Vorbild z.B. anderer Hunde. Aber auch zwischen Mensch und Tier gibt es wechselseitige Spiegelung: Tiere können beruhigen oder die Stimmung aufhellen. In der Altenpflege können sie deshalb eingesetzt werden für Gedächtnistraining, Spielerunden mit Ball oder für körperliche Nähe durch Streicheln.
Alfred Vollmer vom Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. gab danach einen Überblick über den Einsatz von Tieren im Heim. Tiere fungieren als Türöffner: sie steigern das Wohlbefinden, initiieren soziale Prozesse, sind Gesprächsthema. Damit bilden sie einen willkommenen Kontrast zum eingeschränkten Leben im Heim, in denen die Senioren inzwischen im Durchschnitt über 85 Jahre alt sind. Wichtig ist, dass die Senioren entsprechend ausgewählt werden und Ziele für den Einsatz von Tieren, z.B. die Nutzung eines Besuchsdienstes, formuliert werden. Deshalb warb Vollmer auch für die berufsbegleitende Weiterbildung zum fachgerechten Einsatz von Hunden, Katzen und Kaninchen in der Altenhilfe „Tiere öffnen Welten“ – eine Kooperation des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe und des Diözesan-Caritasverbands.
Änne Türke von der Initiative „4 Pfoten für Sie“ stellte diese Kooperation des Vereins Porzer Bürger für psychisch Kranke e.V. mit dem Demenz-Servicezentrum Nordrhein-Westfalen , Region Köln und das südliche Rheinland, vor. Insgesamt 40 Teams bestehend aus ehrenamtlichen Helfern und ihren Hunden sind im Kölner Stadtgebiet aktiv.
Victoria Dahm erläuterte als Koordinatorin, wie sie Demente zu Hause mit den Helfern und ihren Hunden zusammenbringt. Zwei Besuchsdienst-Teams aus Mensch und Hund, Andrea Willerscheid und Carlo sowie Dunja Drückes und Tessa, berichteten danach, welche Erfahrungen sie bei ihren Besuchen bei Dementen gemacht haben. Begeistert erzählten sie, wie die Einsätze sowohl dem ehrenamtlichen Team Freude machen als auch auf die Besuchten positiv wirken: sie brauen damit Brücken zu Menschen mit Demenz, spenden Trost, aktivieren zu mehr Bewegung und vermitteln Wärme.
Ergänzt wurde diese Ausführungen durch den verantwortlichen Tiertrainer Michael „Atze“ Nehmann von der Hundeschule „Happy Dogs – Happy People“. Er sorgt dafür, dass die Tiere nicht überfordert werden, testet die Eignung der Hunde, trainiert die Tiere, z.B. nicht einem Ball hinterher zu laufen oder zu schnappen, wenn sie mit dem Rollstuhl angefahren werden.
Die Veranstaltung wurde von einer Fotoausstellung über die therapeutische Funktion von Hunden in der Altenpflege begleitet. Die Profifotografin Katharina Berger hat die erfahrene examinierte Altenpflegerin Beate Kitzka aus der Schönborn in der Pfalz mit ihren vier Border-Collies ein Jahr lang bei ihrer Arbeit sowohl in der stationären Altenpflege als auch bei der Ausbildung der Hunde zu Therapiehunden – beginnend im Welpenalter – begleitet und eindrucksvolle Aufnahmen zu Foto-Collagen arrangiert: festgehalten sind Momente, in denen alte Menschen lächeln, mit den Tieren spielen oder sich wieder mehr bewegen.
Nach drei Stunden gingen alle Teilnehmer zufrieden mit interessanten Anregungen und neuen Erfahrungen besonders aus der Praxis nach Hause. Dabei konnten sie Flyer und Unterlagen der Veranstalter mitnehmen. Unter anderem auch das Magazin für Altenpflegerinnen und Altenpfleger von morgen „Young Care“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege 4/2010, das als Titelbericht die Erfahrungen mit Therapiehunden im Matthias-Pullem-Haus veröffentlichte: “Hilfe auf vier Pfoten“.
Anita Brandtstäter