Och wat wor dat schön

„Och war wor dat schön“ – nicht nur „früher en Colonia“, sondern am 3. Februar 2010 bei der traditionellen Karnevalssitzung im Matthias-Pullem-Haus in Köln-Sürth.
 
och watDas Atrium war festlich geschmückt: Girlanden an der Decke, Rosetten, Clowns und Köln-Wappen an den Wänden, Luftschlangen und Köln-Sürth-Fähnchen auf den Tischen. Schon eine Stunde vor Beginn war kaum noch Platz zu finden! Bewohner und ihre Angehörige sowie Freunde des Hauses waren mehr oder weniger kostümiert – zumindest mit Luftschlangen oder Papier-Rosen. Alle warteten gespannt bei lauter Karnevalsmusik auf das Programm.
Dagmar Assenmacher vom Sozialen Dienst begrüßte als erstes das Kindertanzcorps des Garde-Corps Blau-Gelb Colonia 2002 e.V. aus Godorf. Vier der sechs Mädchen – unter Führung von Elke Schneider – tanzten sich mit viel Spaß an der Freud in die Herzen des Publikums. Eines der Lieder „Mir sin die Weltmeister vum Rhing“ hätte auch das Motto des Vortrags sein können.
Alle freuten sich über die Auftritte der beiden schön geschminkten weiblichen Clowns: den Pantomimen-Clown (Gundi Schmiehl, kosmetische Fußpflege), der eindrucksvoll den Schlager „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich“ interpretierte, und den lebhaft durch den Saal tobenden musikalischen Clown Akinom mit der Trompete (Monika Babbel, ehrenamtliche Mitarbeiterin) – besser als der Entertainer mit Gespür fürs Publikum Bruce Kapusta. Perfektes Playback lieferte die Tonmeisterin Julia Assenmacher am Laptop.
Was wäre eine Sitzung ohne Büttenrede: der „Bauarbeiter aus Düsseldorf“ (Petra Schillinger) philosphierte über den Umzug oder Einzug in den fertig gestellten Trakt des ersten Bauabschnitts. Und „er“ testete die richtige Position des Mikrofons aus „links – rechts – vor – zurück“, um lästige Rückkopplungen zu vermeiden. In ihrer Eigenschaft als Leiterin der Einrichtung durfte sie den Herold Eike Eylander, ehemaliger und heute ehrenamtlicher Mitarbeiter, für 30 Jahre Führung der Akteure mit einer gerahmten Urkunde ehren. Auch als stellvertretende Moderatorin macht sie eine gute Figur „nicht wissen, was kommt, woher es kommt, wohin es geht, aber reden, als ob man alles weiß – das könne sie“, so ihre selbstironische Aussage.
Was nun folgte, trug ganz klar die Handschrift von Dagmar Assenmacher, die nicht nur als Moderatorin unter anderem mit einem neuen KVB-Witz glänzte, sondern ganz besonders als routinierte Sängerin – und last not least als „schnellste Frau“, nämlich im Umziehen, in vier Kostümen präsentierte sie sich – von der Köln-Latzhose, über den Messdiener und den festlichen Frack bis zur Schottin. Viele kölsche Lieder machten guten Stimmung. Julia Assenmacher sang trotz Erkältung überzeugend den Song „Du bes Kölle“ von Tommy Engel:
 
“Du bes Kölle, ob de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et echte Kölsche nur in Kölle jitt.
Du bes Kölle. Du bes super tolerant.
Nemms jeden op de Ärm un an de Hand.“
 
Dagmar Assenmacher erinnerte mit dem noch heute aktuellen Lied „Kütt mer üvver d’r Hungk, kütt mer üvver d’r Stätz“ an ihren Vater, der es 1957 geschrieben hat. Im melancholischen Teil der Sitzung präsentierte sie dann das klassische Trompeten Solo „Oh mein Papa“ ohne Playback und das Lied „Wenn ich a minge Pap denk“ von Hubert Aretz. Im Duett mit ihrer Tochter Julia gab es danach wieder fröhliche Klänge „He am Rhing“ von De Räuber – gerne fiel das Publikum immer wieder ein mit „Halleluja“.
Als vorletzten Höhepunkt führte dann das Tanzcorps der KG „Kapelle Jonge“ von 1990 Blau Weiß e.V. aus Weiß mehrere Tänze auf. Beeindruckend die Hebe-Figuren und -Formationen bis zur Pyramide sowohl der Mini-Minis (bis 7 Jahre), der Minis (bis 13 Jahre) mit einem Kinder-Tanzpaar und der Großen (ab 14 Jahre) unter Abteilungsleiter Gundolf Noa und Trainerin Patricia Noa. Viele Kinder in prächtigen Kostümen bevölkerten die „Bühne“ nach dem Motto „Ein Verein ohne Jugend … ist wie ein Himmel ohne Sterne“.
Die Zuschauer schwenkten weiße Servietten als Tücher zum Empfang von Prinz Rolf I (Rolf Richter), Bauer Sven (Sven Schwertel) und Jungfrau Chrissi (Christian Wergen). Joachim Schönenberg, Vize-Präsident des Festkomitees Karneval der Alt-Gemeinde Rodenkirchen e.V., stellte das bisher jüngste Dreigestirn vor, gestellt von der KG „Der Reiter“ 1969 e.V. aus Hochkirchen:
 
„Jeck, jung un dynamisch – dat sin mer!
Drum fiere mer met üch bes dat et kraach
Von morgens früh bes en de Naach.“
 
Als Dank für den Besuch des Dreigestirns sang Dagmar Assenmacher das „Sürth-Lied“, das sie selbst getextet hat, und den Hit der Bläck Fööss „Du bess die Stadt“ unterstützt von Karl-Heinz Babbel als Schotte mit Dudelsack.
Nach fast drei Stunden Programm waren die meisten Bewohner müde, aber glücklich. Dank an die vorwiegend „eigenen Kräfte“ dieses bunten Nachmittags und an alle, die im Hintergrund für den Gesamterfolg mitgewirkt haben.

(Anita Brandtstäter)