Jahresausklang im Seniorenheim

Abschluss

Wenn man ein Seniorenheim betritt, umfängt einen häufig eine Atmosphäre der Bedrücktheit. Auch wenn die Räume hell und ansprechend gestaltet, die Mitarbeiter freundlich, Hunde und Katzen zu Gast sind … Sieht man doch hier alle möglichen Formen des Alters, die man sich für sich selbst nicht vorstellen mag: mangelnde Mobilität – Rollstühle und Rollatoren, Demenz und Verwirrtheit, notwendige Unterstützung beim Essen und Trinken …

Auch wenn die Prioritäten darin bestehen, dass die Bewohner satt und sauber sind und ein Mindestmaß an Zuwendung vom Personal erhalten, die Verantwortlichen im Matthias-Pullem-Hausbemühen sich, Höhepunkte im Alltag in Form von Veranstaltungen erlebbar zu machen. Dies gilt besonders für die Festtage am Jahresende.

Am 31. Dezember 2009 wurden Bewohner, Angehörige, Freunde herzlich eingeladen zu einer Jahresabschlussfeier. Gestaltet wurde der Nachmittag im Wesentlichen von Herrn Michael Lawen. Er sang alte deutsche Schlager und aktuelle kölsche Lieder, und begleitete sich selbst an seiner Wersi-Orgel. Es war eine ausgelassene Stimmung. Die Teilnehmer konnten die Lieder mitsingen oder zumindest mitsummen. Und einige trauten sich sogar, Walzer zu tanzen. Zum Schluss machte Michael Lawen „Wunschkonzert“ – gewünscht wurde unter anderem „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“. Für das leibliche Wohl war auch gesorgt. Mit einem Gläschen Sekt konnte man schon einmal auf ein gesundes 2010 anstoßen.

Ganz besonders schön war die Weihnachtsfeier mit anschließendem festlichen Abendmenu am Heiligabend im weihnachtlich geschmückten Atrium. Zunächst gab es für die Bewohner, Angehörigen und Gäste Kaffee und Kuchen. Danach geleitete Frau Dagmar Assenmacher durch das Programm. Es ist inzwischen schon Tradition, dass die Familie Tönnies aus Sürth ein kleines Konzert gibt. Sieben „Kinder“, zum großen Teil inzwischen erwachsen und nicht mehr in Köln wohnhaft, und eine Austauschschülerin aus Frankreich sangen und musizierten. Weihnachtslieder und festliche Werke erklangen in der Besetzung mit zwei Violinen, zwei Cellos, Blockflöte bzw. Horn und Klavier. Danach gab es noch einen Saxophon-Solo-Auftritt und etliche Gesangsnummern – auch im Duett. Außergewöhnlich waren die kölschen Weihnachtslieder. Und Dagmar Assenmacher rezitierte das Gedicht von Elli Michler:

Ich wünsche Dir Zeit

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir Zeit, dich zu freu’n und zu lachen,
und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas d’raus machen.

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche Dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge Dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrau’n,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schau’n.

Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben!

Dass solche Veranstaltungen für die Bewohner ein Erlebnis werden, ist nur möglich durch die Unterstützung der Einrichtungsleitung, das Engagement des Personals einschließlich der Zivildienstleistenden und ganz besonders durch den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter und die Präsenz von Angehörigen. Sie alle geben ihre Zeit auch an diesen Feiertagen, an denen man normalerweise zu Hause in der Familie feiert.

An dieser Stelle deshalb ein ganz herzliches Dankeschön an alle dafür.

Anita Brandtstäter
Angehörige eines Bewohners