Kölner Bilderbogen, August 2007

Brunhilde Seffen in Sürth feierte ihren 100. Geburtstag

Da scheinen „gute“ Gene im Spiet. Zwar verstarben die Eltern von Brunhilde Seffen relativ früh. Aber zwei ihrer drei Brüder und die eine Schwester überschritten die Neunzig-Jahre-Marke. Sie selbst, eine geborene Hackenbroch, feierte im letzten Monat ihren 100. Geburtstag. Erblindet und auf den Rollstuhl angewie­sen, lebt die Jubilarin seit 2003 im Matthias Pullern-Haus in Sürth.
Dort gratulierten nicht nur ihre beiden Söhne Achim und Dieter, die Schwiegertöchter und einige der drei Enkel und fünf Urenkel. Ihr früherer Hausarzt Dr. Schmücker schaute vorbei. Die Dorfgemeinschaft Sürth machte mit der Maikönigin Ruth Tönnies, Maigräfin Larissa Schrein sowie Maivater Günter Gottschalk und der zweiten Vorsit­zenden Ingrid Kupgisch ihre Auf­wartung. Den Glückwunsch des Oberbürgermeisters und die Ehrengabe der Stadt überbrachte in Vertretung Ratsmitglied Kar­sten Möring.
Geboren ist Brunhilde Seifen in der englischen Stadt Luton. Dort, nördlich von London, betrieb ihr Vater eine Hutfabrik. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges trennte die deutschstämmige Familie. Deren Vermögen wurde beschlagnahmt, der Vater inter­niert und die Mutter mit den Sprösslingen ausgewiesen. Sie fanden Quartier in der Kölner Südstadt, bei der Mutter des Vaters. Der konnte nach Kriegsende zwar folgen doch seine 1916 verstorbene Frau sah er nie wieder. Brunhilde Seffen lernte Schneiderin und arbeitete in einem Mode-Atelier auf der Hohe Straße. Auf die Heirat 1934 mit Theodor, dem Nachbarjungen vom Zugweg, folgte der Umzug in die Mettfelder Straße in Rodenkirchen, wo sich bald Nachwuchs einstellte.
Mit Beginn des Zweiten Welt­krieges wurde der Gatte eingezo­gen. Nach den ersten Bombar­dierungen Kölns suchte Brunhil­de mit ihren Kindern im Schwarzwald Schutz. Bei der Rückkehr war die frühere Woh­nung kriegszerstört. Im Auenweg fand man ein neues Domizil, spä­ter im Mühlenweg. Nach dem Tod des Mannes zog Brunhilde Seffen in ein Appartement in Sürth. Dort lebte sie, unterstützt von ihrer Familie, bis zum Umzug ins Seniorenheim 2003 nahezu selbständig. Die einge­schränkte Mobilität und der mitt­lerweile totale Verlust des Augenlichtes schränken die Aktivitäten der Hochbetagten natürlich immens ein. Trotz ihres „sehr großen Kummers“ darüber beschreibt Sohn Achim Seffen den Gemütszustand seiner Mutter als „zufrieden“. Früher sei sie stolz auf ihre Stimme gewesen. Noch heute singe sie hei geläufi­gen Volksliedern gerne mit.